10. Zusammenfassung, Feststellungen, Folgerungen
I. SPRACHLICHER RÜCKSCHRITT: Ideologische Spielwiese der Reformer
- Schwund an Wörtern und damit beträchtliche Ausdrucksverarmung, Lesefreundlichkeit und -verständnis wird herabgesetzt.
- Häufigeres Nachschlagen in weit mehr als 16 Wörterbüchern, deren Schreibweisen sich erheblich voneinander unterscheiden
- Mehr Schreibfehler als vorher, entgegen Zielvorgabe neue Fehlerquellen (Untersuchung der bundesweiten Lehrerinitiative)
- Wörterbuch-Chaos: irreparable Fehlkonstruktion des Regelwerks
II. DEMOKRATISCHER RÜCKSCHRITT: Rechtschreibvorschriften per Erlaß
- 75 bis 99 % der Bevölkerung (laut verschiedener Umfragen) sind gegen die Reform, trotzdem wurde sie durchgesetzt.
- Bevormundung, Entmündigung der Volksvertretungen
- Erhobene Forderung der Kultusminister nach Verboten von Volksbegehren
- Massive Behinderungen beim Berliner Volksbegehren gegen Rechtschreibreform
- Der erfolgreiche schleswig-holsteinische Volksentscheid vom 27.9.1998 gegen die RSR wurde nach nicht einmal einem Jahr rückgängig gemacht.
III. RECHTLICHER RÜCKSCHRITT
- Beschluß des Bundestages vom 26.3.1998: Die Sprache gehört dem Volk
- Wiener Absichtserklärung ist kein völkerrechtlich verbindlicher Vertrag.
- Rechtliche Probleme bei Benotung nach unterschiedlichen Wörterbüchern
IV. HAUSHALTSRECHTLICHER RÜCKSCHRITT
- Keine Kostenneutralität und keine Prüfung anhand der Haushalts-grundsätze der Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit zugunsten wirtschaftlicher Interessen der Verlage
- Prüfung der Verhältnismäßigkeit (Nutzen/Aufwand) fehlt
- Keine Qualitätsprüfung, deshalb gravierende Widersprüche in den weit über 10 bisher erschienenen Wörterbüchern (Wörterbuch-Chaos)
- Schulbücher unterlagen nicht dem sonst üblichen Zulassungsverfahren
V. PÄDAGOGISCHER RÜCKSCHRITT
- Fehlende Motivation bei vielen Lehrern, Eltern und Schülern, weil fast alle Schriftsteller und Fachleute (siehe auch die Erklärung von über 550 Sprachprofessoren) sowie die Mehrheit der Bevölkerung die Reform ablehnen
- Fehlende Überzeugung bei den meisten Lehrern, sobald versteckte Qualitätsmängel sichtbar werden; völlige Hilflosigkeit beim Nachschlagen in mehr als 10 Wörterbüchern mit sich gegenseitig widersprechenden Einträgen (selbst Wörterbücher ein und desselben Verlages unterscheiden sich); keine einheitliche und verläßliche Grundlage für die Korrektur
- Zerstörung der Einheitlichkeit unserer Rechtschreibung:
a) ursprüngliche Reformschreibung nur für Schulen
b) variierte Hausorthographien für die Nachrichtenagenturen/Zeitungen
c) bisherige Rechtschreibung für die übrigen Bürger
- Keine Möglichkeit für Schüler, ihr Sprachgefühl anhand von sicheren und eindeutigen Regeln auszubilden
- Aufblähung des bisherigen Regelwerkes: die Regeln der reformierten Rechtschreibung sind um ein Drittel umfangreicher geworden
- Keine bessere Lehrbarkeit der reformierten Neuregelung:
Selbst das ehemalige Mitglied der Rechtschreibkommission Prof. Dr. Peter Eisenberg, Uni Potsdam, gesteht ein: Unter unabhängigen Didaktikern und Praktikern besteht Konsens, daß die Zahl der Rechtschreibfehler nicht abnehmen wird. (Die WELT vom 26.2.98)
FOLGERUNG:
Wenn also durch diese Schlechtschreibreform weder die Schreibanfänger eine Erleichterung erfahren noch die bereits Schreibkundigen sicherer in der Orthographie werden können im Gegenteil die Unsicherheit wächst und anarchische Zustände über Jahre herrschen werden, welchen Sinn hat dann überhaupt eine neue Rechtschreibung, die Unsummen von Geld verschlingt sowie unnötige Arbeitszeit und überflüssigen Ärger verursacht?
Deshalb muß die sog. Rechtschreibreform zurückgenommen werden!
Wer dabei mithelfen möchte, möge unseren Verein unterstützen.