Über 550 Sprach- und Literaturprofessoren fordern Rücknahme der Rechtschreibreform (Stand 1/99)

Protest „übertrifft alle Erwartungen“

Die von Erlanger und Münchener Germanisten initiierte „Gemeinsame Erklärung der Sprach- und Literaturwissenschaftler zur Rechtschreibreform“ hat an in- und ausländischen Universitäten ungewöhnlichen Zuspruch gefunden. Über 550 Professoren fordern inzwischen die Rücknahme der geplanten Rechtschreibreform:

„Die sog. Rechtschreibreform ‚entspricht nicht dem Stand sprachwissenschaftlicher Forschung‘ (so die Deutsche Gesellschaft für Sprachwissenschaft am 3. März 1998); sogar die Rechtschreib-Kommission der Kultusminister hat wesentliche Korrekturen als ‚unumgänglich‘ bezeichnet. Eine derart fehlerhafte Regelung, die von den bedeutendsten Autoren und der großen Mehrheit der Bevölkerung mit guten Gründen abgelehnt wird und die Einheit der Schriftsprache auf Jahrzehnte zerstören würde, darf keinesfalls für Schulen und Behörden verbindlich gemacht werden.


Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören u. a. die Professoren Heinz Ludwig Arnold (Göttingen), Wilfried Barner (Göttingen), Helmut Berschin (Gießen), Manfred Bierwisch (Berlin), Dieter Borchmeyer (Heidelberg), Bernhard Böschenstein (Genf), Alois Brandstetter (Klagenfurt), Eberhard Dünninger (Regensburg), Peter Eisenberg (Potsdam), Jean Fourquet (Paris), Heinz Friedrich (München), Wolfgang Frühwald (München), Horst Albert Glaser (Essen), Herbert Heckmann (Darmstadt), Eckhard Heftrich (Münster), Peter Uwe Hohendahl (Ithaca, N.Y.), Walter Höllerer (Berlin), Theodor Ickler (Erlangen), Walter Jens (Tübingen), Joachim Kaiser (München), Wolfgang Kasack (Köln), Friedhelm Kemp (München), Marianne Kesting (Bochum), Helmut Kiesel (Heidelberg), Helmut Koopmann (Augsburg), Gerhard Köpf (Duisburg), Gustav Korlén (Stockholm), Hans-Henrik Krummacher (Mainz), Hartmut Kugler (Vors. des Deutschen Germanistenverbands, Erlangen), Gert Mattenklott (Berlin), Walter Müller-Seidel (München), Horst Haider Munske (Erlangen), Adolf Muschg (Zürich), Peter Horst Neumann (Erlangen), Christoph Perels (Frankfurt am Main), Peter von Polenz (Trier), Uwe Pörksen (Freiburg), Lutz Röhrich (Freiburg), Heinz Rölleke (Wuppertal), Ruth Römer (Bielefeld), Jost Schillemeit (Braunschweig), Wendelin Schmidt-Dengler (Wien), Albrecht Schöne (Göttingen), Wulf Segebrecht (Bamberg), Christian Stetter (Aachen), Ingrid Strohschneider-Kohrs (München), Peter Suchsland (Jena), Gert Ueding (Tübingen), Siegfried Unseld (Frankfurt am Main), Werner H. Veith (Mainz), Harald Weinrich (Paris), Bernhard Zeller (Marbach), Jean-Marie Zemb (Paris).

Viele der Unterzeichner haben als Sprachwissenschaftler schon früher und mehrfach gegen die geplanten Schreibveränderungen protestiert. Unmittelbarer Anlaß für den neuerlichen Protest war der Beschluß der Kultusminister, die Korrekturvorschläge der eigenen Rechtschreibkommission abzulehnen.


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