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Staat und Sprache
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Sigmar Salzburg
20.09.2019 07.55
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Kommentar NZZ

Steinmeier ist ein Präsident der Phrasen

Das deutsche Staatsoberhaupt hat wenig Macht, es soll sich nicht in die Tagespolitik einmischen und trotzdem als Führungspersönlichkeit auf die Gesellschaft einwirken. Das einzige Mittel dafür ist die deutsche Sprache. Kaum einer hat sie je so schlecht behandelt wie der Amtsinhaber.

Marc Felix Serrao, Berlin 19.9.2019, 19:58 Uhr

Der deutsche Bundespräsident hat dem «Spiegel» vor ein paar Tagen ein Interview gegeben. Wer das nicht mitbekommen oder es schon wieder vergessen hat, muss sich nicht grämen. Er oder sie ist nicht allein.

Frank-Walter Steinmeier, 63 Jahre alt und seit 2017 Inhaber des höchsten Amts der Bundesrepublik, hat in seinem Leben noch kaum einen Satz formuliert, an den man sich erinnern könnte. Menschen, die ihn kennen, bezeichnen ihn als klug, sogar humorvoll. Aber sobald er öffentlich spricht, wirkt es, als würde er seiner Muttersprache den Krieg erklären. Neben einem stark ausgeprägten Hang zu Floskeln und Phrasen ist das, was Steinmeier inhaltlich sagt, auf eine Weise überraschungsfrei, dass es fast komisch wirkt. Wollte man eine Komödie über einen biederen Beamten drehen, der irrtümlich ins höchste Staatsamt purzelt und versucht, es irgendwie auszufüllen: Er wäre die Idealbesetzung.

Ein typischer Steinmeier-Satz klingt so: «Wenn Engagement für die Demokratie und Respekt vor den Institutionen der Demokratie nicht mehr selbstverständlich sind, sollten wir darüber nicht zur Tagesordnung übergehen.» Oder so: «Wenn wir die Demokratie gegen ihre Skeptiker verteidigen wollen, werden wir wohl einen etwas längeren Atem brauchen.» Wieviel Kaffee die «Spiegel»-Redakteure wohl gebraucht haben, um beim Abtippen solcher Sätze nicht wegzudämmern? [...]

Wie viele der bisher zwölf Präsidenten diesem Anspruch gerecht geworden sind, darüber liesse sich lange streiten. Fest steht, dass keiner an die Eleganz und die weltanschauliche Klarheit des ersten Staatsoberhaupts Theodor Heuss herangekommen ist. Als «Scholar and Gentleman» würdigte ihn die britische «Times» einmal. Kaum vorstellbar, dass Steinmeier zu solchen Ehren kommt. [...]

nzz.ch 19.9.2019

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Sigmar Salzburg
19.11.2011 15.16
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Thomas Paulwitz

Deutsch als Ausschußware

Ist unserem Land die deutsche Sprache noch etwas wert? Jüngste Ereignisse haben wieder einmal Zweifel daran gesät. Mit der politischen Stellung des Deutschen beschäftigte sich der Deutsche Bundestag in der vergangenen Woche gleich zweimal. Am Montag, 7. November, beriet der Petitionsausschuß über die Verankerung der deutschen Sprache im Grundgesetz. Am Mittwoch, 9. November, sprach der Rechtsausschuß über den Gesetzentwurf des Bundesrats zur Einführung von Englisch als weiterer Gerichtssprache in Deutschland.

Zumindest das Zustandekommen der ersten der beiden Sitzungen schien zunächst ein Erfolg zu sein: Obwohl die Petition für „Deutsch ins Grundgesetz“ weniger als die erforderlichen 50.000 Unterschriften erreicht hatte, lud der Petitionsausschuß des Deutschen Bundestags die Petenten zur Anhörung ein – den Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) und den Verein Deutsche Sprache (VDS).

Lächerlich und unwürdig

Doch schon die zusätzliche Einladung eines Gegenpetenten, der weitaus weniger Unterstützer hinter sich scharen konnte, hätte stutzig machen müssen. Der Hamburger Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hatte in einer Gegenpetition „Keine Aufnahme der deutschen Sprache ins Grundgesetz“ rund 3.000 Stimmen gesammelt, was normalerweise bei weitem nicht ausreicht, zu einer Anhörung eingeladen zu werden. Dazu hätte er eigentlich 47.000 Unterzeichner mehr benötigt.

So nahm eine der lächerlichsten und unwürdigsten Veranstaltungen zur deutschen Sprache ihren Lauf. Die Ausschußmitglieder nahmen den Petenten Walter Krämer (VDS) schier ins Kreuzverhör. Die wichtigste Frage des Grünen Memet Kilic war, wie man denn das Wort „Marketing“ auf deutsch ausdrücken könne. Dabei kam sich der Abgeordnete offenbar sehr witzig vor.

Die Linke Agnes Alpers schwadronierte von der multikulturellen Gesellschaft, für die wohl jeder sein müsse, und holte den Allgemeinplatz von der „Sprache im Wandel“ aus dem Keller der gesammelten Totschlagargumente. Peter Röhlinger von der FDP begleitete sie hinunter, kramte das Zauberwort „Globalisierung“ aus einer verstaubten Schublade und verlieh seiner Befürchtung Ausdruck, die Betonung der deutschen Sprache in Deutschland könne ausländische Fachkräfte abschrecken. Stefanowitsch hingegen hatte es leicht; er rannte offene Türen ein.

[…]

Volkswille gegen Abgeordnetenwillen

Doch eine Frage wurde damals wie heute nicht gestellt: Wie kann es sein, daß nach repräsentativen Umfragen über zwei Drittel der Deutschen hinter dem Anliegen der Petition stehen, von diesen Deutschen aber keiner im Petitionsausschuß des Deutschen Bundestags zu finden ist? Volkswille und Abgeordnetenwille klafften wieder einmal weit auseinander.

Warum darf der deutschen Sprache kein Verfassungsrang zugestanden werden? Eine mögliche Erklärung gab es zwei Tage nach der Sitzung des Petitionsausschusses, als der Rechtsausschuß des Deutschen Bundestags über den Gesetzentwurf des Bundesrats zur Einführung von Englisch als weiterer Gerichtssprache beriet.

… Diese Novemberwoche mit diesen beiden Sitzungen im Bundestag war wirklich eine schwarze Woche für die deutsche Sprache.

jungefreiheit.de 19.11.2011

NB. Stefanowitsch war schon hier und da aufgefallen.

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Sigmar Salzburg
13.12.2010 11.48
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In: Das Parlament

Sibylle Ahlers

»Wider die Engländerei«
DENGLISCH
Die Kritik an fremden Ausdrücken in der deutschen Sprache ist nicht neu

Einmal im Jahr kürt der Verein Deutsche Sprache e.V. (VDS) den Sprachpanscher des Jahres. In diesem Jahr erhielt die zweifelhafte Ehre Fritz Pleitgen als Vorsitzender der Geschäftsführung der Ruhr.2010 GmbH. Zur Begründung hieß es, er habe nicht verhindert, dass der öffentliche Auftritt der von ihm geführten Gesellschaft voller „denglischer Begriffe“ stecke. Andere Preisträger waren Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn und Modeschöpferin Jil Sander.

Deutsch ins Grundgesetz

Zwei Vereine kämpfen intensiv um die Bedeutung des Deutschen – der VDS und der Verein für deutsche Kulturbeziehungen im Ausland. Im November übergab eine gemeinsame Abordnung über 46.000 Unterschriften – jetzt gibt es bereits rund 70.000 Unterstützer – an Bundestagspräsident Norbert Lammert mit der Forderung, die deutsche Sprache im Grundgesetz zu verankern.Dieser befürwortet die Initiative. Bereits im Sommer hatte er in einem Zeitungsinterview gesagt: „Für die Kultur und das Selbstverständnis eines Landes gibt es keinen wichtigeren Faktor als die Sprache.“ Seiner Aussage nach sei die Sprache noch wichtiger als die Festlegung auf Berlin als Hauptstadt und auf Schwarz-Rot-Gold als die Landesfarben. „Beides wird vom Grundgesetz geregelt, die Sprache leider nicht“, sagte Lammert. Auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse hat wiederholt für den korrekten Gebrauch der deutschen Sprache geworben. Er appellierte besonders an Lehrer und Journalisten.

Alte Kritik

Die Kritik an fremden Ausdrücken in der deutschen Sprache ist nicht neu. So gab es bereits 1899 die Kampfschrift „Wider die Engländerei in der deutschen Sprache“. Doch schon seit langem nutzen wir Wörter wie Jeans und Shampoo ganz selbstverständlich. In jüngerer Zeit machten sich aber auch deutschsprachige Musiker wie „Die Prinzen“ und Reinhard Mey lustig über die Eroberung deutscher Radiosender durch englischsprachige Schlager.

Fehler schleichen sich ein

Im 17. und 18. Jahrundert bereicherten lateinische und französische Wörter das Deutsche. Kurios wird es allerdings, wenn das französische Portemonnaie nach der Rechtschreibreform neuerdings Portmonee geschrieben wird, damit es einfacher wird. Sprachwissenschaftler kritisieren, dass Redewendungen schief übersetzt werden. So wird vermehrt der Ausdruck „nicht wirklich“ in Anlehnung an das englische „not really“ verwendet. Richtig müsste es „eigentlich nicht“ heißen. So schleichen sich Fehler in den alltäglichen Sprachgebrauch ein, heißt es. Manche englisch-klingenden Begriffe haben die Deutschen sogar selbst erfunden. Weder in Großbritannien noch in den USA gibt es beispielsweise einen Smoking oder ein Handy. S

das-parlament.de 13.12.2010

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Sigmar Salzburg
13.12.2010 11.41
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In: Das Parlament

Dankwart Guratzsch

Ohne Muttersprache heimatlos
ESSAY
Deutsch im Grundgesetz – Anker gegen das Abheben der Eliten und Ausgrenzung der Mehrheit

Nicht der Deutsche Bundestag, nicht Bundestagspräsident Norbert Lammert, auch nicht der Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland (VDA) und der Verein Deutsche Sprache (VDS) sind als erste auf die Idee gekommen, die deutsche Sprachpflege zu einer Staatsangelegenheit zu erklären. Sondern kein Geringerer als der Philosoph und Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz. Er, der selbst fließend französisch sprach, war es, der als erster Präsident der „Sozietät der Wissenschaften in Preußen“ schon im Stiftungsbrief des Jahres 1700 das Problem der Reinerhaltung der deutschen Sprache aufgriff und diese Aufgabe dem König antrug.

Diese Erinnerung tut not, um die völlig überspannte Diskussion über die von den genannten Verbänden geforderte und von Lammert befürwortete Aufnahme des Deutschen als Landessprache ins Grundgesetz zu versachlichen. Denn natürlich kann damit nicht Ausgrenzung und Abgrenzung gemeint sein. Vielmehr wird mit der vorgeschlagenen Formulierung „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ ein Tatbestand hervorgehoben, über den inzwischen nicht nur auf manchen Schulhöfen, sondern auch in der Politik, auf Wissenschafts- und sogar Bundespressekonferenzen Unklarheiten aufgekommen sind.

Nichts Anrüchiges

Selbst wenn dem nicht so wäre, hätte ein derartiger Passus nichts Anrüchiges. Für sich allein ist er so unschuldig wie die Regelungen des Artikels 22, nach denen Berlin die Bundeshauptstadt und Schwarzrotgold die Bundesfarben sind. Ähnlich müssen es jene 18 europäischen Staaten sehen, die ihren Landessprachen schon länger Verfassungsrang eingeräumt haben und darin Deutschland vorangegangen sind. Wer dies „chauvinistisch“ nennen wollte, käme mit dem Europagedanken in Konflikt, der ja auf der Achtung und Pflege der kulturellen Eigenarten und damit der Nationalsprachen der EU-Mitgliedsländer aufbaut. Bei der Verankerung des Deutschen im Grundgesetz geht es allerdings um mehr. Den Petitionen, hinter denen bereits knapp 70.000 Unterzeichner stehen, und dem Plädoyer des Bundestagspräsidenten ist die ernste Sorge zu entnehmen, dass es um die Sprache von Goethe und Schiller schlecht steht. Die mangelnde Geltung der meistgesprochenen Muttersprache Europas in der EU, der Abstieg des Deutschen als Wissenschaftssprache, die Inflation von Anglizismen, die verrenkte Werbesprache, das Türken-, SMS- und Twitter-Missingsch, die Verballhornung der Schriftsprache durch die Rechtschreibreform und nicht zuletzt die Schludrigkeit der Medien im Umgang mit der deutschen Grammatik lassen immer mehr Bürger am Willen und an der Kompetenz der politischen Klasse zweifeln, die Belange kultureller Identität noch wahrzunehmen.

Großes Missbehagen

Deshalb sagen die Anträge erst einmal etwas über die Stimmung im Land aus, über ein offenbar weitverbreitetes Missbehagen. Es ist nur denen unbekannt, die sich selbst mühelos und gewandt in der Muttersprache bewegen, oder aber natürlich genauso jenen, die kulturelle Standards (und das heißt oft: jegliche Kultur und jeglichen kulturellen Anspruch) prinzipiell für lästig, ja überflüssig halten. Sie wollen an eine schiere Selbstverständlichkeit nicht auch noch amtlich erinnert werden – sei es, weil ihnen der Gegenstand allzu banal erscheint, sei es, weil sie sich ihm selbst nicht gewachsen fühlen.

Tatsächlich haftet dem Verhältnis der Deutschen zu ihrer Sprache von altersher ein resignativer Zug an. Er äußerte sich früh in einer anderen Völkern völlig fremden Verachtung der Gebildeten für die Sprache des eigenen Volkes, die in dem berühmten Ausspruch Kaiser Karls V. gipfelte, dass er Lateinisch mit seinem Gott und Deutsch mit seinem Stallknecht spreche. In Wahrheit meint „deutsch“ seiner Wortbedeutung nach nichts anderes als „dem Volke gehörig“. Und die Sprache des Volkes unterhalb der Referenzebene der Akademiker- und Beamtensprache ist das Deutsche bis auf diesen Tag geblieben. Es hat sich dabei als erstaunlich robust und lebenskräftig auch gegenüber allen Wellen der "Überfremdung“ durch Latein, Französisch oder Englisch erwiesen. Auf diese Lebenskraft, Derbheit und Farbigkeit des volkstümlichen Deutsch setzte der Sprachschöpfer und -einiger Luther, der sich eben gerade nicht damit begnügte, seine Bibelübersetzung auf die kursächsische Kanzleisprache zu stützen, sondern sich nicht scheute, dabei dem Volk sehr direkt „aufs Maul“ zu schauen.
Faktisch, nämlich vermittelst der Einheit von Thron und Altar, wurde das Deutsche auf diese Weise schon mit der Bibelübersetzung zur „Staatsangelegenheit“, auch wenn der Reformator weit davon entfernt war, die Sorge um die deutsche Sprache den politischen Machthabern zu übertragen. Auch Leibniz, der den Sprachschützern der „Fruchtbringenden Gesellschaft“ keineswegs nahestand, erstrebte keine politische Kuratel über den Sprachgebrauch.

Seine „Ermahnung an die Deutschen, ihren Verstand und ihre Sprache besser zu üben“, erging dagegen explizit an die Wissenschaft, die Universitäten, Sozietäten und Akademien. Dass es dann tatsächlich noch einmal fast zweihundert Jahre dauern sollte, bis sich das Deutsch auch als Wissenschaftssprache Geltung verschaffen konnte, erhellt allein daraus, dass Leibniz' Schrift, niedergeschrieben 1683, erst 1846 erstmals gedruckt wurde.

Diese Vorgeschichte sollte man kennen, ehe man sich über das Begehren lustig zu machen unterfängt, einem Rückfall des Deutschen in einen nun endlich für immer überwunden geglaubten Zustand der Inferiorität und gesellschaftlichen Spaltung zu wehren. Erst der quälende Durchbruch der deutschen Sprache zu einer Sprache auch der Gebildeten und Mächtigen hat umgekehrt auch den Wissenschaften zu breitem volkstümlichem Durchbruch verholfen, hat das Jahrhundert der Lesekultur, das 18./19. Jahrhundert, begründen helfen, hat Volksbildung in seinem umfassenden Verständnis, hat die Blüte der deutschen Philosophie und Literatur, hat zuletzt sogar die industrielle Revolution durchzusetzen und anzutreiben vermocht.

Die Gebildeten heben ab

Es gehört zu den Paradoxien der aktuellen Debatte, dass sich Teile der politischen Klasse ausgerechnet in dem Land, in dem die vielleicht tiefsten Werke der Sprachphilosophie entstanden sind, dem Rang und der Geltung der eigenen Sprache heute wieder verweigern zu müssen meinen. Es sind die Wissenschaften und Fachdisziplinen, die dabei zuerst „abheben“. Inzwischen gibt es deutsche Fachliteratur, die nur noch fremdsprachig gedruckt wird. Es laufen ganze Serien von Kongressen, die zwar vom deutschen Steuerzahler finanziert, aber nicht einmal mehr mit einer Übersetzung ins Deutsche ausgestattet sind.

Ganz abgesehen davon, dass das Englisch, das dort zuweilen geradebrecht wird, zum Erbarmen ist und einen blamablen Schatten auf seine Stotterer und damit letztlich auf die Qualifikation der so genannten Bildungselite wirft, also alles andere als etwa dem Ansehen der heimischen Wissenschaft dient, wird hier die alte Mauer zur gesellschaftlichen „Hefe“ neu hochgezogen, die so mühsam abgebaut worden ist. Das hat nichts mit „Moderne“, nichts mit dem Vordringen der neuen „lingua franca“ Englisch (oder bald vielleicht Chinesisch) zu tun, sondern unendlich viel mehr mit dem Rückfall in verstockte deutsche Traditionen, die sich unbezweifelbar viel zu lange als entwicklungs- und fortschrittshemmend erwiesen haben.

Aufstiegshilfe

Man muss es unter die unzähligen Ironien der 68-er Bewegung rechnen, dass deren Wortführer zwar mit martialischem Getöse gegen den „elaborierten Code“ als Herrschaftsinstrument einer abgehobenen Kaste zu Felde zogen, damit aber in naiver Verblendung das hochsprachliche Deutsch meinten, das für Generationen die wichtigste Aufstiegshilfe in die „bessere Gesellschaft“ war und ihnen Universitäten und Karrieren erschlossen hat, die ihnen Jahrhunderte versperrt waren. Hochdeutsch ist nicht und war nie „hochgestochen“, sondern der wichtigste Schlüssel für den Zugang zu Bildung überhaupt. Aber in der aktuellen Debatte über den Verfassungsrang von Deutsch als Landessprache taucht derselbe Irrtum in ähnlicher Argumentation ein weiteres Mal auf. Wieder wird von „Ausgrenzung“ und „Diskriminierung“ gesprochen, wo doch nichts so sehr wie gerade die Beherrschung der Landessprache die Integration, Anerkennung und den Erwerb von Bildung möglich, und somit die Zugewanderten überhaupt erst gesellschaftlich konkurrenzfähig macht.

Jutta Limbach, die frühere Verfassungsrichterin und Präsidentin des Goethe-Instituts, hat im anrührendsten und überzeugendsten Essay über „Unsere Sprache in der globalisierten Welt“ (so der Untertitel) gerade diese elementare Voraussetzung für Integration hervorgehoben: „Das Erlernen der Sprache, insbesondere der Landessprache, ist ein Grundstein für die Bildung.“ Sie spricht von der „Sprachlosigkeit von zugewanderten Minderheiten, die gesellschaftliche Ohnmacht, wenn nicht gar Heimatlosigkeit erzeugt“. Und sie hebt hervor, die Muttersprache gehöre „zu jenen Elementen der Kultur, die mehr noch als das Vaterland gesellschaftlichen Zusammenhalt stiften“.

Ist es nicht genau diese Einsicht, die hellhörig dafür machen müsste, was in der Integrations-, der Bildungs- und der Sprachpolitik bisher falsch gelaufen ist? Müsste sie nicht das Gespür dafür schärfen, dass nicht der Deutschpassus im Grundgesetz, sondern der Widerstand dagegen ausgrenzt – nämlich exakt diejenigen ausgrenzt, die auf Erwerb der Landessprache angewiesen sind, um nicht nur formell eingebürgert zu sein, sondern sich selbst vollwertig einzubürgern?

Ein Zeichen

Ist auch der zusätzliche Satz im Grundgesetz nichts als ein Zeichen und kann er niemals ein „Recht“ sein, das sich einklagen lässt, so gibt er doch Orientierung, wo provinzielle Geschwätzigkeit und ideologisches Renommiergehabe „gesellschaftlichen Zusammenhalt“ allzulange behindert haben. Es ist höchste Zeit, diese Blockade zu lösen.

das-parlament.de 13.12.2010

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Sigmar Salzburg
27.04.2010 05.26
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Unverbindlich

Westerwelle erringt Punktsieg für deutsche Sprache
Luxemburg – EU-Außenministerin Catherine Ashton hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zugesichert, dass die Sprache Goethes im Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) eine zentrale Rolle spielen wird. Der Außenminister hatte gefordert, Deutsch müsse in dem neuen Dienst mit bis zu 8000 Diplomaten Arbeitssprache neben Englisch und Französisch sein. „Deutsch ist die meistgesprochene Muttersprache der Europäischen Union und wird schon aus diesem Grund im Europäischen Auswärtigen Dienst prominent vertreten sein“, schrieb Ashton an Westerwelle.

welt.de 27.4.2010

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Sigmar Salzburg
27.02.2010 12.14
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Westerwelles Sprach-Kampagne

Mann, red Deutsch!

Von Reinhard Mohr

Deutsch ist die Sprache der Aufklärung und der Empfindsamkeit. Ausgerechnet Brachialrhetoriker Guido Westerwelle macht sich stark für eine Kampagne des Goethe-Instituts. Tenor: Wer Deutsch lernt, lernt Demokratie!

Margot Käßmann, die katholische Kirche, Jürgen Rüttgers, Jogi Löw, Oliver Bierhoff: Die Autoritäten purzeln derzeit noch schneller, als der Schnee schmilzt. Was bleibt, sind Sport und Sprache, unsere Gold-Mädels von Vancouver und die deutsche Kultur. In den Worten des bekennenden Helene-Hegemann-Fans Harald Schmidt: „Arschfick und Adorno“. [... „Reformkultur“]

So drastisch gesampelt und „Axolotl-Roadkill“-mäßig wollte es Außenminister Guido Westerwelle am Donnerstagabend im Berliner „Radialsystem“, einem ehemaligen Pumpwerk, nicht formulieren. …

„Ich halte meine kurze Ansprache auf Deutsch", hatte der böse Bube der deutschen Politik zu Beginn versprochen (danke dafür!), obwohl das „Radialsystem“ nicht etwa nur ein neuer Raum für Kultur ist, sondern, ganz offiziell, "The New Space for the Arts in Berlin". …

Die Muttersprache Spätgermaniens, die derzeit rund hundert Millionen Menschen in Europa ihr Eigen nennen, soll hinaus in die weite Welt getragen werden, wo bislang nur etwa 15 Millionen Menschen sich der Mühe unterziehen, die deutsche Grammatik und seltsame Wörter wie „Radkappe“ oder „Starthilfe“ zu lernen – vor allem mit Hilfe des Goethe-Instituts.
Es gehe dabei aber auch um die Vermittlung von demokratischen Werten, um „intellektuelle Freiheit“ und den Wunsch, „die Welt von morgen zu gestalten“, hob Westerwelle hervor. …

Nach einer unterhaltsamen, wenn auch nicht völlig unangestrengten Sprachtravestie im Geiste Ernst Jandls, die die Trägerin der Goethe-Plakette, Yoko Tawada, zu Gehör brachte, kamen die Liebhaber deutscher Klassik zu ihrem Recht: Schuberts Vertonung von Goethes „Erlkönig“.
Es folgten eine Lesung des ungarischen Autors Peter Esterházy, zehn kurze Gedichte von Heinrich Heine mit Kompositionen von Wilhelm Killmayer und schließlich "Spoken Word und Rap-Musik" mit Nina "Five" Sonnenberg und DJ Phekt – gemäßigt deutsch-multikulturelle Selbsterfahrungs- und Betroffenheitslyrik.

Dazwischen hatte Klaus-Dieter Lehmann, Präsident des Goethe-Instituts, noch rasch das Wort ergriffen, das, allen Aufrufen zur Leidenschaft für die „wunderbare Sprache“ (Westerwelle) zum Trotz, leider nicht ihn ergriff. Blass und staubtrocken präsentierte der oberste deutsche Kulturvermittler Beispiele für die Liebe zur deutschen Sprache – im Ausland.

Hierzulande, das zeigte dieser merkwürdig leidenschaftslose Auftakt der Kampagne, bleibt noch viel zu tun. „Deutsch – Sprache der Ideen“: Vielleicht sollte man gleich im Bundestag schon mal damit anfangen. Dann klappt's auch im Rest der Welt.
spiegel.de 26.2.10

[Westerwelle:]
Aufgabe der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik ist, die Welt von morgen mitzugestalten. Cornelia Pieper weiß ich dabei an meiner Seite. Wir nehmen das sehr Ernst in diesem Amt.
pressinfo 26.2.10

Das Goethe-Institut – das die von der Bevölkerung abgelehnte „Rechtschreibreform“ ohne Not im Ausland durchgesetzt hat, auch unter Führung der ehemaligen Verfasssungsrichterin, die den Kultusministern zuvor den Freibrief für ihr Kulturattentat ausgestellt hatte – als Vermittler deutschen demokratischen Geistes? Westerwelle, obwohl kritisch, gab dabei nur eine bläßliche Figur ab. Seine Parteigenossen im Norden stimmten sogar für die Annullierung des demokratischen Volksentscheids. Damit konnte einer von ihnen Bildungsminister werden.

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Sigmar Salzburg
25.02.2010 09.18
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Re: Re: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten

Zitat:
Ursprünglich eingetragen von Detlef Lindenthal:
Kluster [sprich: klu:ster] ist ein in meiner Kindheit gebräuchliches norddeutsches Wort ...
„Kluster“ ist auch mir bekannt. Aus der Landschaft Angeln, in der ich hause, haben die alten Angeln, die in England siedelten, zunächst ihre Sprache mitgenommen. Etliche Wörter sind auch heute noch hier verständlich. Ein alter Krug meiner Mutter trägt die einglasierte Aufschrift „Angeler Muck“, was unschwer im englischen „mug“ wiederzuerkennen ist. – Aber welcher Bildungspolitiker wird denn das [den?] aufgeblasene[n] „Exzellenzcluster“ „uncool“ mit „Spitzengruppe“ übersetzen wollen?
__________________
Sigmar Salzburg

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Detlef Lindenthal
24.02.2010 18.02
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Re: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten


Sigmar Salzburg schrieb
„Cluster“ [sprich: Klaster], ein bisher hier ungebräuchliches englisches Wort, bedeutet „Haufen“
Kluster [sprich: klu:ster] ist ein in meiner Kindheit gebräuchliches norddeutsches Wort; von meiner norddeutschen Mutter habe ich es gelernt; in den Wörterbüchern von Adelung, Grimm, Mackensen, Mensing (Kluuster) und Wiktionary.de ist es verzeichnet, im Duden _20 dann als Reimport Cluster. Bilder siehe hier.
__________________
Detlef Lindenthal

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Sigmar Salzburg
24.02.2010 16.18
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Ich weiß nicht, was soll es bedeuten

Es soll hier einen Augenblick lang nicht darum gehen:

Im Skandal um Missbrauchsfälle in der Kirche hat die Münsteraner katholische Theologin Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins die Bischöfe und Ordensoberen vor Vertuschung und Verdrängung gewarnt. „Es geht nicht um wenige Einzelfälle, sondern um ein verbreitetes Phänomen“, sagte die Sozialethikerin vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) am Mittwoch.
uni-muenster.de 24.2.2008

Sondern ich stolpere über das Wort „Exzellenzcluster“ – zweifellos eine Wortschöpfung aus bildungspolitischem Imponiergehabe. Aber was bedeutet es? „Exzellenz“, lateinisch, ist die Anrede für katholische Bischöfe und für Botschafter fremder Mächte. „Cluster“ [sprich: Klaster], ein bisher hier ungebräuchliches englisches Wort, bedeutet „Haufen“ – also vermute ich eine Seilschaft hochrangiger katholischer Geistlichkeit mit dem Ziel der Einflußnahme auf Staat und Politik. Bei der Suche nach weiterer Aufklärung erfahre ich, daß dies auch noch von der Regierung mit Milliarden gefördert wurde, worüber die Bundesforschungsministerin Schavan, ehemals Zentralkomitee der Katholiken und Schreibreformministerin von Baden-Württemberg, in Begeisterungsstürme ausbrach:

Annette Schavan: „Ein bedeutender Tag für die Wissenschaft“

Die Gewinner [!] der ersten Runde der Exzellenzinitiative sind jetzt ermittelt …

Im Rahmen der Exzellenzinitiative investieren Bund und Länder bis 2011 insgesamt 1,9 Milliarden Euro.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan kommentierte das Ergebnis wie folgt: „Das ist ein bedeutender Tag für die Wissenschaft in Deutschland. Wir haben festgestellt, dass zahlreiche exzellente Graduiertenschulen und Exzellenzcluster für eine Förderung vorgeschlagen wurden. Das spricht für die hohe Leistungsfähigkeit unserer Hochschulen.
bildungsministerium.de 13.10.2006

Allmählich dämmert mir, was mit „Exzellenzcluster“ gemeint sein könnte, allerdings halte ich Theologie nicht für eine Wissenschaft und wundere mich noch mehr.

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Sigmar Salzburg
17.01.2008 10.02
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Die „Bescheuertheit“ als Prinzip

Zum Vorherigen passend wurde im Spiegel-Forum auf diesen Artikel verwiesen:

http://www.online-merkur.de/seiten/lp200801a.php

Man kann die dortigen Erkenntnisse auch auf die „Rechtschreibreform“ ausweiten, die ja teilweise eine Paralellerscheinung zur feministischen Sprechreform ist.

Die schreibreformerische Betriebsamkeit der Kultusminister, ihrer ideologischen Vorarbeiter und medialen Unterstützer zeigt in besonderem Maße die „Bescheuertheit“ als mentales Wirkungsprinzip in diesem Bereich der Kulturpolitik.

[(Prof. Dr. phil.) Rainer Paris (Fachhochschule Magdeburg): „Bescheuertheit“ in Merkur, Nr. 704, Januar 2008]
__________________
Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
16.01.2008 13.35
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Sprechdiktatur

Kontrovers: Feministische Linguistik

Von der PräsidentIn zur Mitgliederin: Die künstliche Verweiblichung der Sprache bringt die Gleichberechtigung nicht voran, kritisieren Sprachforscher

Sprachregeln wie das Binnen-I, die aus dem Professor eine ProfessorIn machen oder Doppelnennungen wie Präsident/Präsidentin sollen die Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft vorantreiben. Doch viele Sprachforscher halten das nicht nur für sinnlos, sondern sogar für kontraproduktiv. Die Gesellschaft könne die Sprache verändern und nicht umgekehrt, argumentieren sie.

„Die Universitätspräsidentin/Der Universitätspräsident ist oberste Dienstbehörde und Dienstvorgesetzte/Dienstvorgesetzter für die Beamtinnen und Beamten der Universität“. Solche Satz-Ungetüme tummeln sich spätestens seit 2001 in den deutschen Gesetzen und Regelwerken. Damals trat das Bundesgleichstellungsgesetz in Kraft, das die Gleichberechtigung von Mann und Frau auch in der Sprache gewährleisten soll. Was Feministinnen als Fortschritt und Erfolg werteten, wird von anderen Sprachforschern hingegen als kontraproduktiv kritisiert ...


„Die Amtsmännin als Reisegästin“, Artikel in „bild der wissenschaft“, Ausgabe 2/2008, S. 86

http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/hintergrund/287303.html

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Detlef Lindenthal
19.01.2006 09.25
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Sigmar Salzburg zitierte:
„ [...] beispielsweise, Ingenieure und Abiturienten Diktate schreiben zu lassen? Lüth: „Für die Vermittlung ist es wichtig, Kompetenzen zu erkennen und Defizite aufzuspüren, an denen noch gearbeitet werden muss.“ So stelle sich etwa manchmal heraus, dass einige Kunden noch nach der alten Rechtschreibung schreiben – nicht gerade eine Empfehlung für Arbeitgeber …“
Uns Rechtschreibfreunden muß klar sein, daß wir in der Vergangenheit wesentliche Argumentationsschlachten verloren haben. Denn wenn ein Amtsleiter und ein Reporter sich wirklich sowas ausdenken, daß bewährte Rechtschreibung (die ohnehin nur an zu wenig ss-Schreibung erkannt wird) hinderlich für die Arbeitsplatzsuche wäre, wiederholen sie einen schwachen Gedanken, ohne daß sie irgendwie Angst zu haben brauchen, für diesen Unsinn umgehend eine Begründungs-Niederlage einzustecken.

Immer noch glauben viele Lehrer, Schüler, Amtsleute usw., die „Reform“schreibung wäre logischer, richtiger und weniger fehlerträchtig. Aber das genaue Gegenteil gilt. Es ist eine reine Fleißaufgabe, dies anhand der bereits erarbeiteten Argumente öffentlichkeitswirksam nachzuweisen.
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Detlef Lindenthal

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Sigmar Salzburg
18.01.2006 07.44
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Die Freiheit, wie bisher zu schreiben

Aus der Rotenburger Rundschau:

Arrow: Die harsche Kritik hat mit der Wirklichkeit wenig zu tun
17.01.2006

Amtsleiter Jens Lüth nimmt Stellung zu Berichterstattung und Leserbriefen – VON ROLAND MEYER

Landkreis Rotenburg. Die Überschrift „Stur, hochnäsig und arrogant“ des Rundschau-Berichts über das Arbeitsmarktportal Arrow des Landkreises Rotenburg habe mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Dennoch nehme man die im Bericht und in den folgenden Leserzuschriften geäußerte Kritik ernst. Das sagen Arrow-Leiter Jens Lüth und Ellen Prieß, Mitarbeiterin des Rechtsdienstes der Behörde. Zu Einzelfällen dürften sie aus Datenschutzgründen keine Stellung nehmen. Es sei aber möglich, die allgemeinen Hintergründe zu erläutern …
Zu den Seminaren wird auch das so genannte Basis-Profiling gerechnet, das manche Leserbriefschreiber als entwürdigend, sinnlos und teuer kritisieren. Was soll es beispielsweise, Ingenieure und Abiturienten Diktate schreiben zu lassen? Lüth: „Für die Vermittlung ist es wichtig, Kompetenzen zu erkennen und Defizite aufzuspüren, an denen noch gearbeitet werden muss.“ So stelle sich etwa manchmal heraus, dass einige Kunden noch nach der alten Rechtschreibung schreiben – nicht gerade eine Empfehlung für Arbeitgeber …


http://www.rotenburger-rundschau.de/index.php?menu=55&command=showartikel&ID=42082

Wieder ein Beweis für die Wirklichkeitsferne der Bundesverfassungsrichter, die das Urteil vom 14.7.1998 zu verantworten haben:

„Soweit dieser Regelung rechtliche Verbindlichkeit zukommt, ist diese auf den Bereich der Schulen beschränkt. Personen außerhalb dieses Bereichs sind rechtlich nicht gehalten, die neuen Rechtschreibregeln zu beachten und die reformierte Schreibung zu verwenden. Sie sind vielmehr frei, wie bisher zu schreiben.“

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Sigmar Salzburg

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Sigmar Salzburg
04.01.2006 16.16
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Berliner Zeitung 4.1.04

STAATSRÄSON

Das zarte Pflänzchen Verantwortung
Torsten Harmsen

Viele Leser meldeten sich am Dienstag zu unserer Kritik an Angela Merkels Neujahrsansprache („Arbeite mit, plane mit, regiere mit“, 3. Januar) zu Wort. Einige sagten: Man sollte endlich das Positive sehen, den Ansatz eines Wir-Gefühls, das „zarte Pflänzchen“ gemeinsamer Verantwortung fördern und nicht sofort alles mies machen.
Das ist richtig. Im Grunde sollte jeder Schritt in Richtung gemeinsame Verantwortung unterstützt werden. „Dieser Staat sind wir“, hieß es früher, und es wäre auch wunderbar, wenn es so wäre.
Da erreicht uns eine Meldung am Rande, zu einem Thema, das immer wieder für große Aufregung sorgt. Johanna Wanka, die ehemalige Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), sagte diese Woche im Spiegel: „Die Kultusminister wissen längst, dass die Rechtschreibreform falsch war. Aus Gründen der Staatsräson ist sie nicht zurückgenommen worden.“
Das bedeutet: Politiker haben bewusst einen zehnjährigen Rechtschreibkrieg in Kauf genommen, Konfusion in Schulen und Ämtern produziert, Millionen für den Druck immer neuer Wörterbücher in den Sand setzen lassen. Aus Staatsräson.
Vor zehn Jahren wurde die Reform von der Politik, bis hinauf zum Bundeskabinett, gebilligt. Die Staatsmacht brachte eine Reform in Gang, für die es keinen dringenden Bedarf gibt und für die sie nach der Meinung von Fachleuten auch gar nicht zuständig ist. Sechzig deutsche Juristen nannten es in einer Erklärung sogar „rechtlich äußerst problematisch“, dass Lehrer, Schüler und Ämter gezwungen würden, falsche Schreibweisen zu nutzen. Der frühere Bundesverfassungsrichter Ernst Gottfried Mahrenholz kritisierte das ganze undemokratische Verfahren: „Man kann so etwas nicht machen ohne einen wirklich gründlichen öffentlichen Prozess“, sagte er.
30 Gerichtsverfahren, Reform-Streik seitens bedeutender Zeitungen und Verlage, Bürgerinitiativen für Volksbegehren – all das hat die Politik ignoriert. Aus Staatsräson.
Denn man hatte die Sache nun mal beschlossen; nun musste sie auch durchgepeitscht werden, um sich nicht die Blöße zu geben. Nicht einmal zu einem vorläufigen Stopp konnte sich die KMK durchringen. Als eine Art Sprach-Feuerwehr versucht jetzt ein Rat für deutsche Rechtschreibung das Schlimmste wieder rückgängig zu machen.
Doch ein Teil davon ist schon seit dem 1. August 2005 in Kraft. Die Folge: Zwei Bundesländer verweigern sich; viele Behörden und Schulen ignorieren die Reform einfach. Die Rede ist bereits von „kollektivem Ungehorsam“. War das mit der Wahrnehmung gemeinsamer Verantwortung gemeint?

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/feuilleton/514681.html

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Matthias Draeger
02.05.2004 18.21
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Rastplatz bitte sauber halten!

Naechste Investition:

In den 70iger Jahren wurden an allen Rast- und Parkplaetzen von den zustaendigen Autobahnmeistereien die Schilder mit etwas antiquierter Orthographie

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Rastplatz bitte sauber halten
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gegen die mittlerweile gebraeuchlichere Schreibweise

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Rastplatz bitte sauberhalten
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ausgetauscht. Die jetzigen Zustaende mit der falschen Rechtschreibung sind natuerlich fuer die heranwachsende Jugend, die Zukunft Deutschlands, unertraeglich, so dass auch in diesem Bereich bald mit einer entsprechenden Schilda-Aktion zu rechnen sein wird.
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